Eigentlich ist der Durchbruch der App-Ökonomie in die Welt der Krankenkassen so neu nicht. Schon gar nicht bei der Techniker Krankenkasse, die ja auch den Kauf einer Apple Watch bei geleisteten Fitnessprogrammen unterstützen. Die Quantifizierung (auf Heller und Pfennig) des gesunden Körpers ist in vollem Gang. Nicht ohne Grund wurde neulich berechnet, wie viele Milliarden eingespart werden könnten, wenn weniger Fett und Zucker ins Essen kommen. Wir warten geduldig auf die erste Foodpornanalyseapp von der Krankenkasse. Glücklicherweise gilt bis jetzt aber noch: eure Daten fassen wir nur mit der Privacyzange an.
Zurück zum Thema. Der Kauf der Tinnitracks-App wird ab gestern von der Hamburger TK bezahlt. Tinnitus, ihr wisst das, ist die größte Plage aller DJs, Produzenten, Clubgänger. Will man nicht, bringt einen um den Verstand, ist zum Kotzen.
Die Methode der App ist folgende: sie filtert aus Musik auf Smartphones etc. die Frequenz raus, die einem eh schon ständig ins Ohr fiepst, und man soll 90 Minuten so gefilterter Musik über ein Jahr lang hören, damit die Nerven sich wieder einspielen.
Das Ganze ist für die TK allerdings auch nur ein Test.
Das Ziel: Erste Erfahrungen mit Tinnitracks als Behandlungsalternative unter Routinebedingungen zu sammeln und das Behandlungskonzept bei Erfolg bundesweit auszurollen. Aus diesem Grund machen rund 30 Hals-Nasen-Ohrenärzte in Hamburg den Anfang. Patienten können unabhängig von ihrem Wohnort teilnehmen, wenn sie bei einem dieser Ärzte in Behandlung sind.
Wir haben uns die durch Tinnitracks “gefilterte Musik” mal angehört, und müssen zugeben, Verzweiflung wäre der einzige Grund, der uns zu so einer “Musikerfahrung” treiben könnte. Aber die Verzweiflung bei Tinnitus ist ja nicht zu unterschätzen.